Archiv für: 2011

23.12.11

Permalink 15:24:41, von genetix, 63 Wörter, 7118 Ansichten  
Kategorien: Everyday Life

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?

… und schon wieder ist ein ereignisreiches Jahr fast vorbei.

Dieses Jahr war fuer mich vor allem ein Jahr der schwierigen Entscheidungen. Was dabei herausgekommen ist, in Kurzform:

- Ich bin immer noch in Japan.
- Ich habe mich von der Uni verabschiedet.
- Ich habe mich von meiner alten Firma verabschiedet.
- Ich arbeite seit gut einem Monat bei Google in Tokyo.

Merry Christmas!
メリークリスマス!
Frohe Weihnachten!

Anja

01.04.11

Permalink 11:39:32, von genetix, 724 Wörter, 9315 Ansichten  
Kategorien: Everyday Life

Zurueck in Tokyo

Ich bin wieder zurueck aus Osaka. Seit Montag arbeite ich wieder im Buero in Tokyo und ich muss sagen, das Leben laeuft mittlerweile fast voellig normal weiter, auch wenn sich die Lage am AKW in Fukushima immer noch nicht wesentlich verbessert hat.

Die radioaktive Strahlung in Tokyo ist - sowohl nach offiziellen Messwerten als auch nach Messungen von Unis und Privatleuten - im Moment zwar fuer Tokyo noch etwas erhoeht, aber etwa auf dem gleichen Niveau, wie in grossen Teilen Sueddeutschlands, also unbedenklich und sinkt seit Tagen. Das kann sich natuerlich jederzeit aendern, aber Gedanken muss man sich im Moment eher darum machen, in wie weit radioaktive Stoffe in Trinkwasser und Nahrungskette gelangen koennten und wie effektiv die zustaendigen Stellen dafuer sorgen koennen, dass kontaminierte Nahrung nicht verkauft wird. Das wird aber wohl nur die Zeit (und ein guter Geigerzaehler) zeigen. :-/ Ich hoffe, dass ich auch in Zukunft noch bedenkenlos Sushi essen kann.

Weil ich in letzter Zeit haeufiger danach gefragt wurde: Woran merkt man in Tokyo eigentlich oberflaechlich noch, dass nicht alles ist, wie immer?

Es ist abends dunkler in der Stadt
Durch den Ausfall mehrerer Reaktoren nach dem Erdbeben und Tsunami gibt es Engpaesse mit der Energiezufuhr und alle, die im Einzugsbereich des Energieversorgers TEPCO leben, wurden zum Strom sparen aufgefordert. Konkret merkt man das vor allem daran, dass Lichter abgeschaltet werden, die nicht noetig sind - besonders die Leuchtreklamen an den Gebaeuden, die man in Tokyo sonst gewohnt ist. Auch der Tokyo Tower ist nachts unbeleuchtet.
Ausserhalb der 23 Innenstadtbezirke von Tokyo gibt es ausserdem weiterhin geplante Stromausfaelle, auch wenn diese zur Zeit weniger werden - vor allem dank der milden Temperaturen in Tokyo, durch die man auf das Einschalten der Klimaanlage zum Heizen gut verzichten kann und weil die Stromsparmassnahmen offensichtlich gut funktionieren.

Leuchtreklamen bleiben vorerst aus...
Leuchtreklamen bleiben vorerst aus…


Im Konbini sind die Regale mit Mineralwasser haeufiger mal leer

Waehrend man die meisten anderen Getraenke problemlos kaufen kann, ist Mineralwasser nach wie vor nicht ganz einfach in groesseren Mengen zu bekommen, weil immernoch die Sorge vor einer Kontamination des Trinkwassers besteht. Die Konbinis haben in der Mittagspause und abends entweder gar kein Wasser mehr vorraetig oder haben generell den Verkauf von Mineralwasser rationiert. Im Konbini hier um die Ecke kann man beispielsweise immer nur eine grosse oder zwei kleine Flaschen kaufen. (Dafuer ist dann auch meistens den ganzen Tag Wasser da). Ich kaufe also jeden Tag meine zwei Flaschen und hebe sie auf, fuer den Fall, dass es Probleme mit Radioaktivitaet im Trinkwasser geben sollte. Im Moment sind die Grenzwerte gluecklicherweise weit unterschritten. Auch ein paar andere Produkte sind nicht in der gewohnten Menge vorhanden, aber wenn man nicht total auf bestimmte Dinge festgelegt ist, kann man trotzdem problemlos einkaufen.

Alles ausser Wasser...
Alles ausser Wasser…

Mein Online-Supermarkt liefert wieder, aber kaufen kann man trotzdem nichts
Da ich kein Auto und keinen richtigen Supermarkt um die Ecke habe und Konbinis ziemlich teuer sind, habe ich mich die letzten Jahre alle zwei Wochen von einem Online-Supermarkt beliefern lassen. Nach dem Erdbeben hat der erstmal komplett zugemacht. Jetzt liefert er wieder, allerdings weder Wasser, noch Reis, noch Milchprodukte, Batterien, Fertigprodukte … oder sonst irgendwas, was man im Alltag gebrauchen koennte! Das haetten sie sich eigentlich auch sparen koennen.

Statt ueber’s Wetter redet man jetzt ueber Erdbeben und AKWs
Auch wenn die Japaner aeusserlich sehr ruhig mit den Ereignissen umgehen: Auch hier ist das Ganze natuerlich Dauerthema und duerfte als Small Talk-Einstieg dem Wetter derzeit den Rang abgelaufen haben. Wenn man Gespraechen zuhoert oder mit Kollegen oder Unbekannten ins Gespraech kommt, geht es eigentlich staendig um Erdbeben und AKWs. “Wo warst Du?", “Ist das nicht schlimm, wenn man als Auslaender nicht an Erdbeben gewoehnt ist?", “Wie kommt es, dass Du nicht nach Deutschland geflogen bist?” - Abschalten ist entsprechend schwierig.

Japan hat ein neues Wort: “flyjin”
Das Japanische Wort fuer “Auslaender” ist “Gaijin” (外人). Nachdem in den ersten Tagen nach dem Erdbeben, teils auf Anraten der jeweiligen Botschaften, teils aus eigenem Antrieb eine Menge Auslaender mehr oder minder ueberstuerzt aus Japan abgeflogen sind, gibt es jetzt auch das passende Wort dafuer: “flyjin” - von “to fly” (fliegen) und “Gaijin” (Auslaender). Nachdem der Begriff zunaechst bei Twitter kursiert hat, haben ihn mittlerweile auch die japanischen Medien fuer sich entdeckt. Mal sehen, wie viele der “flyjin” in den naechsten Wochen und Monaten nach Japan zurueckkommen.

Mein Motto der Woche: “Everything looks better than yesterday, though still worse than tomorrow.” :)

Permalink 10:36:21, von genetix, 54 Wörter, 3633 Ansichten  
Kategorien: Japanese word(s) of the Day

Wort des Tages - Neuauflage ;)

Jetzt, wo ich mein Blog schon wiederbelebt habe, kann ich auch gleich die Kategorie “Japanese word(s)s of the day wieder mit Inhalt fuellen. Heute gibt es gleich drei ziemlich unerfreuliche, neue Woerter, die man die letzten Tage viel zu oft in den Nachrichten gehoert hat:

原発(げんぱつ / genpatsu) Atomkraftwerk
放射線(ほうしゃせん / houshasen) radioaktive Strahlung
地震(じしん / jishin) Erdbeben

25.03.11

Permalink 01:42:16, von genetix, 1853 Wörter, 5272 Ansichten  
Kategorien: Everyday Life, Nicht so Lustiges

Erdbeben, Reaktoren und deutsche Katastrophenmedien

Freitag, 11. 3. 2011
Alles fing Freitag vor zwei Wochen an. Um kurz vor 3 nachmittags bewegte sich ploetzlich der Boden im Buero. Nichts besonderes, dachte ich da noch - Erdbeben haben wir hier oefter - doch wir merkten alle schnell, dass es diesmal anders war: heftiger und vor allem wollte das Wackeln diesmal gar nicht aufhoeren, sondern wurde immer staerker. Einer nach dem anderen verschwand unter seinem Schreibtisch, dann kippten auch schon Kleiderstaender, Flaschen und andere, nicht ganz sicher stehende Sachen um, die Holzwand zu unserem Meetingraum knarrte sehr verdaechtig und ich war sicher nicht die einzige, die geglaubt hat, dies sei nun nun “das” schwere Erdbeben, das schon so lange fuer Tokyo erwartet worden war.

Nach gefuehlten Stunden (in Wirklichkeit waren es wohl nur zwei oder drei Minuten) liess das Wackeln langsam nach, nur um ein paar Minuten spaeter umso heftiger wieder anzufangen. Selbst die aelteren Kollegen hatten sowas bisher noch nicht erlebt. Nachdem auch das zweite Beben vorbei war, aber im Minutentakt Nachbeben folgten, realisierten die ersten von uns so langsam, dass da Schlimmeres passiert sein muss. Laut Internet zwei schwere Erdbeben – eins der Praefektur Miyagi und ein weiteres, nicht ganz so schweres in der Naehe der Prefektur Ibaraki, also naeher an Tokyo und deswegen wohl staerker zu spueren.

Erdbebenmeldung von Yahoo
Erdbebenmeldung auf der Website von Yahoo Jaoan

Nach den ersten Meldungen haben wir aber alle noch geglaubt, das Erdbebengebiet sei einer wirklichen Katastrophe entgangen. Bei uns im Buero ist eigentlich nicht viel passiert. Die umgefallenen Sachen waren schnell wieder aufgestellt, aber an Arbeiten war fuer den Rest des Tages nicht mehr wirklich zu denken und so verfolgten wir gemeinsam die Nachrichten. Durch das Erdbeben fuhren im Grossraum Tokyo/Yokohama keine Zuege und U-Bahnen mehr und auf den Strassen reihte sich ein Auto ans naechste, so dass meine Kollegen sich groesstenteils entschieden haben, im Buero zu uebernachten.

Da ich quasi „um die Ecke“ wohne und mit dem Rad nur fuenf Minuten bis zu meiner Wohnung brauche, bin ich irgendwann gegen halb 10 abends nach Hause gefahren. In meiner Wohnung war gluecklicherweise nicht viel passiert, aber die Bilder in den Nachrichten wurden stuendlich schlimmer, erst der Tsunami, dann Feuer und zuletzt Meldungen, dass es Probleme in zwei Atomkraftwerken gibt. Und immer wieder Nachbeben und Fehlalarme meines Erdbebenwarnsystems (das bei beiden Hauptbeben uebrigens nicht angeschlagen hat). Dazu kam die Angst, dass es ein schweres Nachbeben in Tokyo geben koennte. Die Nacht habe ich dann auch wach vor dem Fernseher verbracht, ohne so wirklich fassen zu koennen, was da gerade passiert.

Samstag, 12. 3. 2011 - Sonntag, 13. 3. 2011
Irgendwann wurde es wieder hell – Tokyo stand gluecklicherweise immernoch, aber die Meldungen aus dem Reaktor wurden leider zunehmend bedrohlicher. Es war bereits von Kernschmelze die Rede, ausgefallene Kuehlsysteme, erhoehte Strahlenwerte, am naechsten Tag dann eine Wasserstoffexplosion, die das Gebaeude eines der Reaktoren beschaedigt hat. Das Wochenende habe ich praktisch vor dem Fernseher verbracht, und im Internet Kontakt mit meiner Family in Deutschland gehalten und nach Informationen gesucht, was das denn nun alles zu bedeuten hat. Trotzdem war das Leben in Tokyo - entgegen anderslautender Berichte in deutschen Medien, die bereits den Super-GAU herbeigeredet haben - ansonsten fast schon erschreckend normal. Ab Sonntag konnte man in den Convenience Stores fast wieder normal einkaufen – nur haltbare Lebensmittel und Brot waren knapp und Laeden und Restaurants waren geoeffnet, Leute waren auf der Strasse, wenn auch etwas weniger als sonst. Haette man von dem Erdbeben nicht gewusst, man waere nicht darauf gekommen, dass irgendetwas anders ist, als normal.

Montag, 14. 3. 2011
Montag in der Firma haben sie uns nach Hause geschickt. Die Verkehrslage hatte sich immernoch nicht normalisiert, so dass viele gar nicht erst ins Buero kommen konnten. Es waren Stromausfaelle geplant, weil durch die ausgefallenen AKWs nicht genug Strom produziert werden konnte, und auch die Nachbeben hatten immer noch nicht aufgehoert. Ich gebe zu, ich war im ersten Moment gar nicht gluecklich damit, wieder alleine zu sein, aber auf der anderen Seite wollte ich vorbereitet sein, falls die Botschaft anordnet, Tokyo zu verlassen, und so bin ich schon Mittags wieder in meiner Wohnung gewesen und habe den Rest des Tages in Gesellschaft meines Fernsehers verbracht. Wie gut, dass es wenigstens Skype gibt, und die Internetverbindung in Tokyo kein Problem war.

Dienstag, 15. 3. 2011
Am Dienstagmorgen ging es gleich nach dem Aufstehen mit schlechten Nachrichten und Nachbeben weiter. Ploetzlich war die Rede von „Millisievert“ pro Stunde, nicht mehr von „Mikrosievert“, obwohl sich die Zahl vor der Einheit kaum geaendert hatte. Im ersten Moment hatte ich das noch fuer einen Versprecher eines mathematisch nicht bewanderten Politikers gehalten, aber da hatte ich mich leider geirrt. – Die Strahlungsmenge, um die es nun ging, war also gut 1000 Mal hoeher als am Tag vorher und genug, die Arbeiter vor Ort ernsthaft zu schaedigen und auch in einiger Distanz noch zu deutlich erhoehten Strahlendosen zu fuehren. Soviel hatte ich aus meiner Recherche der vergangenen Tage zumindest behalten.
Dann ging alles ziemlich schnell. Ich habe im Internet nachgesehen, ob noch Plaetze im Shinkansen und Hotelzimmer frei sind, habe beides gebucht und sass um 4 Uhr nachmittags im Zug nach Kyoto, weiter im Sueden des Landes und freute mich auf die erste Nacht seit Freitag, in der mein Bett nicht wackeln wuerde. Mein Timing war dann auch wirklich ziemlich gut. Am gleichen Abend, kurz nachdem ich mein Hotelzimmer bezogen hatte, gab es noch ein schweres Nachbeben in Shizuoka, wegen dem der Shinkansen dann stundenlang festhing. Glueck gehabt! Das haette ich nur sehr ungern im Zug miterlebt. Am naechsten Tag hat dann auch die deutsche Botschaft dazu aufgerufen, den Grossraum Tokyo/Yokohama voruebergehend zu verlassen und Richtung Sueden zu ziehen. Wie gut, dass ich schon dort war.
Im Hotel angekommen merkte ich dann erstmal, wie angespannt ich die Tage vorher gewesen war, und wusste, die Abreise aus Tokyo war eine gute Entscheidung – nicht unbedingt, weil es in Tokyo wirklich zu gefaehrlich gewesen waere, aber weil ich endlich mal wieder ruhig schlafen konnte.

Mittwoch, 16. 3. 2011 bis jetzt
Die naechsten vier Tage habe ich dann in Kyoto verbracht. Den Firmenlaptop hatte ich mit, und einen grossen Teil der Zeit habe ich gearbeitet, aber ein paar Stunden Sightseeing waren natuerlich auch drin. Nachdem ich mir eine ausgiebigere Reise nach Kyoto immer fuer einen „besonderen Anlass“ aufgespart hatte, ohne zu ahnen, wie dieser “besondere Anlass” jetzt aussehen wuerde, wollte ich doch zumindest Gion und die bekanntesten Tempel und Schreine dort gesehen haben. Zu meinem Erstaunen war an dem Freitag auch wirklich voller Tourismusbetrieb – ueberfuellte Busse, jede Menge Leute, entspannte Stimmung, sonnig, strahlend blauer Himmel, fruehlingshaft. Um ehrlich zu sein, hat wenig daran erinnert, dass ich gerade nicht im Urlaub war. Zwischendurch schnappte man aus Gespraechen natuerlich immer wieder Worte wie 地震 (Erdbeben), 放射線 (Radioaktivitaet) oder 原発 (Atomkraftwerk) auf, aber alles in allem lief das Leben in Kyoto so normal weiter, dass man fast vergessen konnte, was ein paar Tage zuvor passiert war, und auch die Lage am Atomkraftwerk Fukushima schien sich langsam zu entspannen, auch wenn die Versuche, die Reaktoren mit Wasserwerfern und durch Einsatz von Meerwasser zu kuehlen, im ersten Moment schon einen ziemlich verzweifelten und wenig Erfolg versprechenden Eindruck gemacht haben.

Am Samstagmorgen sass ich dann im Zug nach Osaka. Mein Chef hatte mir erlaubt, auch diese Woche noch von ausserhalb zu arbeiten und da mein Hotel ueber das Wochenende ausgebucht war, hatte ich mich dazu entschieden, die naechsten Tage in Osaka zu verbringen. Da bin ich bisher auch immer noch. Von der Stadt habe ich leider noch nicht viel gesehen, weil ich wegen eines Projekts, das sich durch das Erdbeben sowieso schon verzoegert hat, vom Hotel aus arbeite. Ich hoffe, am Sonntag geht es zurueck, wenn es nicht noch schlechte Nachrichten gibt. Seit gestern scheint die Lage wieder etwas angespannter – Radioaktivitaet im Trinkwasser in Tokyo oberhalb der Grenzwerte fuer Kleinkinder, Rauch aus den Reaktorgebaeuden, wegen dem immer mal wieder die Arbeit unterbrochen und das Gelaende evakuiert werden muss, zuletzt drei verstrahlte Mitarbeiter. Ich hoffe, die Sache geht noch „gut“ aus.

Wie auch immer – bei allem, was die letzten Tage so passiert ist: Wir in Tokyo haben eine Menge Glueck gehabt. Wie schrecklich die Situation fuer die Menschen sein muss, die in der Region gelebt haben, die zunaechst von dem Erdbeben und danach von dem Tsunami unmittelbar getroffen wurde, kann man sich anhand der Fernsehbilder wohl nichtmal ansatzweise ausmalen. Wie die Natur von jetzt auf gleich ganze Kuestenstaedte verwuesten und dem Erdboden gleich machen kann und mehrere 1000 Menschen umbringen und noch viel mehr obdachlos machen kann, ist unvorstellbar. Ich hoffe, dass man den Ueberlebenden moeglichst schnell helfen kann. In den ersten Tagen war selbst die Versorgung mit dem Notwendigsten, Nahrung, Wasser, Medikamente und vor allem Waerme nicht sichergestellt. Jetzt beginnt man schon mit dem Wiederaufbau. Allen, die helfen moechten, lege ich das japanische Rote Kreuz ans Herz, das sich von der ersten Minute an in den Krisengebieten engagiert und den Menschen dort bei der Notversorgung geholfen hat. Spenden sind ueber das deutsche Rote Kreuz moeglich: http://www.drk.de/

Einige Randnotizen, die ich mir an dieser Stelle einfach nicht verkneifen kann:
Die deutschen Katastrophenmedien waren die letzten Tage wirklich kaum zu ertragen. >:XX Wie selbst auf den Websites von vermeintlich serioesen Sendern regelrecht auf den Super-GAU hingefiebert wurde, Interviews falsch uebersetzt und dramatisiert wurden und Geschichten sehr phantasievoll ausgeschmueckt wurden – immer versetzt mit Woertern wie „Horror“, „Grauen“ usw. – haette ich nicht fuer moeglich gehalten. In Deutschland kauft man jetzt also Geigerzaehler und Jodtabletten und hat nach 25 Jahren wieder Angst vor „der Wolke“. Guter Journalismus sieht anders aus. Ich will nicht sagen, dass auf japanischer Seite nicht auch beruhigt und verharmlost werden sollte, aber zumindest haben die Medien das wiedergegeben, was sie wussten, ohne noch unnoetig etwas hinzuzuerfinden oder zu dramatisieren oder Prognosen abzugeben, die zu dem Zeitpunkt eh noch voellig unmoeglich waren. Sehr hilfreich fand ich, neben den japanischen Medien, die Website des Bundesamtes fuer Strahlenschutz (www.bfs.de) und der Gesellschaft fuer Reaktorsicherheit (www.grs.de), die ohne “journalistische Ambitionen” Fakten zusammengetragen haben, so dass man sich selbst ein Bild der Lage machen konnte.

Ist eine Katastrophe dieses Ausmasses wirklich der richtige Anlass fuer Wahlkampftaktik? Bisher – und wir alle hoffen, dass das so bleibt – ist noch kein Mensch in Japan durch radioaktive Strahlung getoetet worden, aber mehr als 10.000 durch das Erdbeben und den darauf folgenden Tsunami. Ist es fair, dass dies so in den Hintergrund rueckt, hinter Debatten ueber Atomausstieg in Deutschland? Wenn ich Sprueche hoere, wie „Fukushima ist ueberall“, dann frage ich mich wirklich, ob die Leute, die sowas schreiben, auch nur eine Sekunde ernsthaft darueber nachgedacht haben, oder ihr sicheres „ueberall“ vielleicht mal fuer eine Weile gegen das „ueberall“ der Arbeiter am Kernkraftwerk tauschen moechten.

Danke an alle, die sich in den letzten Tagen nach mir erkundigt haben, mich und meine Family in Deutschland abgelenkt haben und mir Ratschlaege gegeben haben. Sorry an die, die sich Sorgen gemacht haben, weil ich nicht aus Japan ausgereist bin und danke an meine Firma und alle, die Verstaendnis gezeigt haben, dass die letzten Tage, eben nicht alles lief, wie immer. Es ist gerade in Japan nicht selbstverstaendlich, dass so verstaendnisvoll und mitarbeiterfreundlich mit der Situation umgegangen wird – andere Bekannte aus Tokyo mussten um ihren Job fuerchten, weil sie die Stadt verlassen haben – und ich bin wirklich dankbar, dass ich mir darum keine Sorgen machen musste.

Genetix' Japan-Blog

Ich habe von Anfang Januar 2005 - August 2005 ein Praktikum in Atsugi, Kanagawa, Japan gemacht und absolviere nun mein Promotionsstudium am National Institute of Informatics in Tokyo. Ich werde hier in Zukunft alle, die es lesen wollen (oder die zufällig hier landen) mit mehr oder minder wissenswerten Informationen über das Land der aufgehenden Sonne versorgen. :)

My English short blog can be found at http://genetix.tumblr.com

For anyone interested in robots and AI-related stuff, please have a look at http://www.robotopia.de

Recently, I have also started Twittering...

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